Artenagentur-SH

Artenhilfsprojekt Schierlings-Wasserfenchel

Ziele

Es ist das prinzipielle Ziel des Landes Schleswig-Holstein, den Schierlings-Wasserfenchel in seinem Zuständigkeitsbereich wieder in einen guten Erhaltungszustand zu versetzen. Hierbei werden reine Schutzmaßnahmen zu letzten Vorkommen an noch bestehenden, i.d.R. recht kleinflächigen Standorten nicht ausreichen. Daher soll über Wiederansiedlungen und biotopgestaltende Maßnahmen versucht werden, zumindest einen Teil der Artenrückgänge im Rahmen der Eindeichungen der 60’er und 70’er Jahre und den Auswirkungen der Elbvertiefung wieder auszugleichen.

Kurzbeschreibung

Der Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides Lange) ist ein endemischer Doldenblütler des Süßwasserwatts, dessen weltweite Verbreitung sich auf ein verhältnismäßig kleines Areal des atlantischen Gezeitenlebensraums der Unterelbe in den drei Bundesländern Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein von Geesthacht im Südosten bis nach Glückstadt im Nordwesten beschränkt. Er wächst in regelmäßig tidebeeinflussten Bereichen auf schlickigen bis schlickig-sandigen Böden.

Im Rahmen des Projektes sollen über meherere Jahre Wiederansiedlungsmaßnahmen im ehemaligen Verbreitungsgebiet der Art an dafür geeigneten Standorten, v.a. in langjährigen Sukzessionsgebieten in der Haseldorfer Binnenelbe, erfolgen. Darüber hinaus sind auch umfänglichere biotopgestaltende Maßnahmen an dafür geeigneten Prielsystemen vorgesehen.

Aktivitäten

Aufbauend auf Vorgängerprojekten zum Erhalt und zur Wiederansiedlung des Schierlings-Wasserfenchels in In Hamburg (E + E-Vorhaben "Schierlings-Wasserfenchel" des Botanischen Vereins zu Hamburge 2000 - 2004) und Schleswig-Holstein (Obst & Neubecker in 2007) führt die Artenagentur mit einem zeitlichen Vorlauf von zwei Jahren zum Aufbau einer Mutterpflanzenkultur zur Produktion von ausreichendem Pflanzenmaterial seit 2015 kontinuierlich Wiederansiedlungsprojekte zu der Art durch.

Ergebnisse

Die DVL-Artenagentur SH wurde mit Gründung im Jahr 2009 vom Land dazu beauftragt, für den Schierlings-Wasserfenchel Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustands auf schleswig-holsteinischem Boden herbeizuführen. Dabei war schnell klar, dass ein Überleben der Art in SH durch reine Erhaltungsmaßnahmen nicht sichergestellt werden kann. Die Wiederansiedlung an verbliebenen Standorten, v.a. aber auch die Wiederherstellung von adäquaten Lebensräumen würde eine entscheidende Rolle spielen.

Nach dem erfolgreichen Aufbau einer Mutterpflanzenkultur in 2013 in der Wildstaudengärtnerei des Landschafspflegeverbandes Dummersdorfer Ufer in Lübeck, wurden 2015 und 2016 aus ersten Anzuchten probeweise Ansiedlungen an aus Expertensicht augenscheinlich geeigneten Ansiedlungsstandorten entlang der Elbe-Nebenflüsse Stör, Krückau und Pinnau durchgeführt. Die Ansiedlungen erwiesen sich allesamt als nicht erfolgreich. Faktoren für den Misserfolg waren im Rückblick u. a. zu kleine Ansiedlungsflächen, zu starker Sukzessionsdruck der Kontaktvegetation und/oder zu starke Strömungsgeschwindigkeit der Ansiedlungsgewässer.

Mit den Erkenntnissen aus den erfolglosen Ansiedlungen erarbeitete die Artenagentur daraufhin in 2017 ein Artenhilfskonzept, nach dem für die Art innerhalb von fünf Jahren Artenhilfsmaßnahmen durchgeführt wurden. In den ersten drei Jahren wurde versucht, Oenanthe conioides vor allem auf Ausgleichsflächen im Gebiet der Haseldorfer Binnenelbe, die seit nahezu 50 Jahren der Sukzession unterliegen, wiederanzusiedeln. Insgesamt wurden bis 2021 über 2.380 Ansiedlungsexemplare an 128 Standorten ausgebracht. Eine erfolgreiche Reproduktion aus Saat stellte sich bei der zweijährigen Art bislang aber nur an einem gut strukturierten Priel (Wasserlauf in Wattbereichen) bei Deekenhörn erstmals in 2021 mit 5 Exemplaren sowie an einem durch Schilfmahd gemanagten Graben südöstlich des Haseldorfer Hafens mit ca. 20 reproduzierenden Exemplaren ein.

Sollte eine Reproduktion nicht in ausreichendem Umfang an den aus der Sukzession entstandenen Standorten gelingen, so sah das Konzept auch umfangreichere biotopgestaltende Maßnahmen an bestehenden Prielen vor. So wurde 2020 in Zusammenarbeit mit der Hamburger Stiftung Lebensraum Elbe und dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg ein durch eine Uferverbauung vom Elbhauptstrom abgeschnittener Priel bei Juelssand in der Nähe von Wedel durch umfänglichere Baggerarbeiten wieder an die Elbe angeschlossen. Zudem wurden ausgedehntere Uferabflachungen durchgeführt, um dem Schierlings-Wasserfenchel bessere Ansiedlungsmöglichkeiten zu bieten. In 2021 wurde dann ein weiterer Priel bei Haselau-Bishorst von der Integrierten Station Unterelbe auf einer Länge von 200 m durch Uferabflachungen für die Ansiedlung von Oenanthe conioides optimiert. An den beiden Prielen wurden darauf über 2.000 Ansiedlungsexemplare ausgebracht.

Aktuell konnten im Oktober 2022 mit einem aufblasbarem Schwimmfloß schwer zugängliche Fachwasserbereiche in einer Kleiabgrabung an der Hetlinger Schanze sowie am Fährmannssander Watt erschlossen werden. Hier wurden nochmal 1.000 Ansiedlungsexemplare ausgebracht. Die Flachwasserbereiche unterliegen zwar dem Tideeinfluss der Elbe, sind aber nur durch enge Zuflüsse mit dieser verbunden. Die Projektträger hoffen, dass in diesen "gefangenen Biotopen" das Samenmaterial zur Reproduktion von Oenanthe conioides vermehrt vor Ort verbleibt und eine Austragung in die Elbe nur in geringem Maße stattfindet.

Kooperationspartner

Integrierte Station Unterelbe

Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR)

Pflanzenkulturen Tolksdorf & Beckers

Stiftung Lebensraum Elbe

 

Zielarten

Schierlings-Wasserfenchel:

  • FFH-Richtlinie: Anhang II
  • FFH-Erhaltungszustand U2
  • Rote Liste Schleswig-Holstein: 1

Natura2000

Nach der Datenzusammenstellung des nationalen FFH-Berichts 2013 des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) besitzt Schleswig-Holstein aktuell einen sehr geringen Anteil an der Gesamtpopulation der Art, jedoch die höchsten Anteile des (ehemaligen) Verbreitungsgebietes. Hieraus resultiert eine besondere Verantwortung zur Verbesserung des Erhaltungszustands in Schleswig-Holstein.

Nach dem FFH-Monitoring 2013 konnten in Schleswig-Holstein lediglich 61 Exemplare von Oenanthe conioides gefunden werden. Dabei wies der Stover Werder bei Geesthacht mit insgesamt 44 Exemplaren die höchste Individuenzahl auf. Die restlichen 17 Individuen verteilten sich auf 5 Standorte an der Stör, 4 an der Krückau sowie jeweils einem im Elbaußendeichsbereich nördlich Glückstadt und am Fährmannssander Watt. In der FFH-Berichtsperiode 2013 - 2018 sind die Oenanthe conioides-Bestände in Schleswig-Holstein auf zwei Vorkommen mit nur wenigen Exemplaren zusammengebrochen.

Der Erhaltungszustand des Schierlings-Wasserfenchels wird in Schleswig-Holstein nach der FFH-Ampelbewertung als schlecht (rot / U2) eingestuft. Zudem ist ein besorgniserregender negativer Trent in der Bestandsentwicklung zu beobachten. So konnte in 2016 bei einem Monitoringdurchlauf an den Elbnebenflüssen Stör, Krückau und Pinnau keine Pflanzen mehr gefunden werden.

Projektbeiträge

Die Artenagentur führt das Projekt zusammen mit der Integrierten Station Unterelbe (ISU) durch. Dabei unterstüzt die Artenagentur die ISU in der Standortsuche für die Wiederansiedlung von Oenanthe conioides sowie in der Maßnahmenplanung und -durchführung. Des Weiteren führt die Artenagentur das jährliche Monitoring zu den Ansiedlungsbeständen durch.

Projektträger

Flächensicherung

Die Ansiedlung des Schierlings-Wasserfenchels findet auf Flächen des Landes Schleswig-Holstein und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein statt.

Laufzeit

2010 - 9999

Bundesland

Schleswig-Holstein

Fördermittelgeber

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