Artenagentur-SH

Artenhilfsprojekte Wiesen-Kuhschelle

Ziele

Im Rahmen von laufenden Projekten der Artenagentur Schleswig-Holstein soll die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis) an ausgewählten Standorten im ursprünglichen Verbreitungsgebiet im Südosten Schleswig-Holsteins wiederangesiedelt werden.

Kurzbeschreibung

Die Wiesen- Kuhschelle (Pulsatilla pratensis (L.) MILL.) ist auf Bundesebene gefährdet (RL-D 2), in Schleswig-Holstein (SH) gar vom Aussterben bedroht (RL-SH 1, Mierwald & Romahn 2006). Zum Zeitpunkt des Aufbaus der Artenagentur Schleswig-Holstein in 2009 kam die Art nur noch an einem Standort bei Büchen-Dorf, im Kreis Herzogtum Lauenburg vor. Eine frühere Verbreitung in Schleswig-Holstein fand die Art ebenfalls in Lübeck. Am Priwall bei Travemünde und am Dummersdorfer Ufer wurde diese Art in den 1930’er-Jahren noch als zahlreich beschrieben, während sie bereits um 1970 wegen intensiverer Flächennutzungen (v.a. der Strände und Dünen) nicht mehr zu finden war (Eberle 1983).

Schleswig-Holstein besitzt deutschland- und europaweit eine Mitverantwortung zum Erhalt der Art. Darüber hinaus stellt P. pratensis eine Leitart trockener Magerrasen dar, deren Schutz und Erhalt bei Durchführung der Wiederansiedlungsmaßnahmen mit berücksichtigt werden soll. Aus diesen Gründen wurde P. pratensis im Rahmen eines Expertenarbeitskreises 2009 zum Artenhilfsprogramm Schleswig-Holstein als eine Art ausgewählt, für die Erhaltungs- und Wiederansiedlungsmaßnahmen durchgeführt werden  sollen.

Aktivitäten

In den Jahren 2011 bis 2013 konnten in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V. 36 Ansiedlungen am Priwall und am Dummersdorfer Ufer in Lübeck durchgeführt werden. Pro Ansiedlung wurden dabei 50 bis 200 Pflanzen in mehreren Transekten ausgebracht – insgesamt über 3.000 Exemplare.

Seit 2021 werden Wiederansiedlungsmaßnahmen von der Artenagentur im ehemaligen Verbreitungsgebiet im Kreis Herzogtum-Lauenburg (Kr.-Hzgt. Lauenburg) durchgeführt. Auf ehemaligen Grünlandrenaturierungsflächen im Elbe-Lübek-Kanaltal südlich Alt-Mölln auf der Höhe von Woltersdorf wurden an 5 Standorten jeweils 100 Exemplare an gesiedelt. In 2022 konnten in einer Kiesgrube in Panten an vier Standorten insgesamt 200 Exemplare wiederangesiedelt werden.

Ergebnisse

  • 2010 Konzeption eines Wiederansiedlungsprojektes mit dem LPV-Dummersdorfer-Ufer als Projektträger. Sammlung und Anzucht von Jungpflanzen durch den LPV.
  • 2011 Wiederansiedlung von 850 Jungpflanzen in 8 Gruppen im Graudünenbereich des Priwalls.
  • 2012 Erfolgskontrolle mit einer Erfassung von 496 angewachsenen Exemplaren (55%). Erweiterung der Ansiedlung um weitere 8 Gruppen mit ca. 750 Pflanzen.
  • 2013 Erfolgskontrolle der Bestände am Priwall durch den Projektträger mit der Erfassung angewachsener Exemplare von 52% bei der Ansiedlung aus 2011 und 42% bei der Ansiedlung aus 2012.
  • 2021 Erfolgskontrolle der 24 Ansiedlungsbestände am Priwall durch die Artenagentur-SH. Nach dem Monitoring befinden sich über 2/3 der Bestände in Ausbreitung. Die Reproduktionsrate liegt bei einem Teil der Ansiedlungsbestände über 200%. Beim restlichen Drittel konnten immerhin noch +- 50% der Ansiedlungsexemplare wiedergefunden werden.
  • 2021 Wiederansiedlung von 500 Jungpflanzen im Elbe-Lübeck-Kanaltal südl. Alt-Mölln (Kr.-Hzgt. Lauenburg)
  • 2022 Erfolgskontrolle der Ansiedlungsbestände im Elbe-Lübeck-Kanaltal. Der Ansiedlungserfolg der einzelnen Bestände lag zwischen 65 und 97%.
  • 2022 Ansiedlung von 200 Jungpflanzen in einer Kiesgrube bei Panten (Kr.-Hzgt. Lauenburg).

Erhalt und Sicherung der Wiederansiedlungsstandorte

Die Wiederansiedlungsmaßnahmen in Lübeck erfolgen im Wesentlichen auf Betreuungsflächen (z.T. in Naturschutzgebieten) des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer e.V. Eine langfristige Betreuung der Maßnahmen ist so sicher gestellt.

Die Ansiedlungen im Kreis Herzogtum-Lauenburg befinden sich auf Flächen mit einer naturschutzfachlichen Sicherung. Sie unterliegen einer extensiven Bewirtschaftung durch vertraglich gebundene Landwirte.

Zielarten

„Natura 2000-Status“, Gefährdung S.-H., Priorität Artenhilfsprogramm

Gewöhnliche Kuhschelle: Rote Liste S.-H.: 1, Priorität Artenhilfsprogramm: 3

Natura2000

Das Projekt hat zum Ziel, für Pulsatilla pratensis im ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Lübeck und im Kreis Herzogtum-Lauenburg wieder stabile, sich selbst reproduzierende Populationen in ausreichender Zahl aufzubauen. Pulsatilla pratensis stellt eine Charakterart des prioritären FFH-Lebensraumtyps 6120 „Basenreiche Sandmagerrasen“ dar. Der Erhalt des Lebensraumtyps als auch der angesiedelten Kuhschellen wird durch eine extensive Beweidung sichergestellt.

Projektbeiträge

Die Artenagentur hat das Projekt in Kooperation mit dem LLUR initiiert. Sie unterstützt den Projektträger Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V. in Lübeck bei der Durchführung und dem Monitoring des Projekts. Im Kreis Herzogtum-Lauenburg setzt sie die Ansiedlungsprojekte mit einzelnen Projektträgern und dem Kreis eigenständig um.

Projektträger

DVL-Artenagentur Schleswig-HolsteinLandschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V.

Flächensicherung

Die Ansiedlungen finde auf unterschiedlichen Flächen statt, die für die Belange des Naturschutzes grundbuchlich gesichert wurden.

Laufzeit

2010 - 2024

Bundesland

Schleswig-Holstein

Partner

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